Gesund & Leben, Mai 2023

www.gesundundleben.at 05 /23 29 INNOVATIONEN FOTOS: ISTOCK_MF3D, _RAMBO182 Themenbereich Zulassung von Arzneimitteln in der pharmazeutischen Industrie. NEUE HOFFNUNG BEI KREBS Den größten Anteil – rund ein Drittel der empfohlenenArzneimittel –machenKrebsmedikamente aus. „Derzeit sind in der Medizin mehr als 250 Krebsarten bekannt. Die Erforschung und Behandlung jeder einzelnen von ihnen gilt als äußerst komplex“, so Krempl. Dennoch sei die Diagnose Krebs heute nicht zwingend mit einer unheilbaren Krankheit verbunden, so die Expertin: „Die moderne Krebsmedizin trägt dazu bei, dass Betroffene immermehr Lebensqualität und wertvolle Lebenszeit gewinnen.“ So hat sich laut dem Österreichischen Krebsreport 2022 das relative 3-Jahres-Überleben in Österreich in den letzten Jahren konstant verbessert und lag imDiagnosezeitraum von 2014 bis 2018 bei durchschnittlich 66 Prozent. „Bei manchen Krebsarten, wie zum Beispiel Hoden- oder Schilddrüsenkrebs, liegt diese im genannten Zeitraum sogar bei 96 Prozent“, so Krempl. Laut aktuellem Krebsreport maßgeblich dafür verantwortlich: der Einsatz innovativer Therapien. Insgesamt wurden zwischen 1995 und 2021 165 Krebsmedikamente in der Europäischen Union zugelassen, parallel dazu befinden sich derzeit mehr als 1.300 Therapeutika zur Behandlung von mehr als 20 Tumoren in Entwicklung. Die aktuellen Zulassungsempfehlungen der EMA betreffen unterschiedliche Arzneimittelklassen. Zugelassen werden könnte zum Beispiel die erste Zelltherapie zur Behandlung von Patientinnen und Patientenmit einem rezidivierten und refraktären multiplen Myelom – einer wiederkehrenden Blutkrebserkrankung, die sich seit der letzten Erkrankung verschlimmert hat – oder eine Monotherapie zur Behandlung einer seltenen Form von Augenkrebs, dem Aderhautmelanom. Zudem werden unter anderem neue Medikamente zur Therapie von Prostatakrebs, Brustkrebs, Non-HodgkinLymphom, fortgeschrittenem Leber- und Lungenkrebs, diffusem großzelligem B-Zell-Lymphom und hochgradigem B-Zell-Lymphom, fortgeschrittenem Nierenzellkarzinom oder der chronischen myeloischen Leukämie zur Zulassung empfohlen, wie die EMA in ihrem aktuellen Bericht erläutert. BREITE PALETTE Weiters werden neue Impfstoffe und Therapeutika zur Behandlung von Infektionskrankheiten sowie von Krankheitsbildern aus der Rheumatologie, Neurologie und Immunologie empfohlen. „Die Palette ist vielfältig“, erläutert Linda Krempl. „Impfungen und Therapien gegen Covid-19 sowie Impfungen gegen Affenpocken waren 2022 unter den Zulassungsempfehlungen. Bei anderen Erkrankungen sind es spezifische Medikamente und Therapien, deren Wirkmechanismen teilweise mit genetischer Veranlagung sowie mit vorhandenen Vorerkrankungen zusammenhängen.“ Einige dieser Therapien seien erstmals zur Behandlung von Patientinnen und Patienten verfügbar, wie etwa bei Entzündungskrankheiten wie atopische Dermatitis, eine chronische, juckende Entzündung der oberen Hautschichten, Neurodermitis oder Multiple Sklerose, so die Expertin. Ebenfalls könnte laut EMA-Bericht das erste Arzneimittel zur Vorbeugung von Erkrankungen der unteren Atemwege durch das Respiratorische Synzytialvirus (RSV) bei Neugeborenen und Säuglingen während der ersten RSV-Saison vor der Zulassung stehen. „Auch für neurologische Erkrankungen könnten neue Arzneimittel zugelassen werden, zum Beispiel für Migräne-Patientinnen und -Patienten“, erläutert Krempl. BEHANDLUNG SELTENER ERKRANKUNGEN In Europa gilt eine Krankheit dann als selten, wenn weniger als fünf von 10.000Menschen an ihr leiden. In Österreich sind rund 500.000 Menschen von einem dieser Krankheitsbilder betroffen. „Für den überwiegenden Anteil der über 6.000 seltenen Erkrankungen gibt es immer noch keine medikamentöse Therapie. Das hängt mit den schwierigen Rahmenbedingungen in diesem Bereich zusammen“, erklärt die Expertin. Umso erfreulicher, dass unter den 89 zur Zulassung empfohlenen Arzneimitteln 21 gerade diesen Bereich betreffen. „Die Arzneimittel aus Bereichen wie Hämatologie, Krebs oder Stoffwechselerkrankungen haben allesamt das Potenzial, Betroffenen, für die es bisher keine anderen zugelassenen Produkte gab, zu helfen. Für Patientinnen und Patienten, die schon seit vielen Jahren auf eine entsprechendeTherapie warten, sind diese Ansätze von unschätzbarem Wert“, betont sie. Derzeit gebe es mehr als 200 Therapien für seltene Krankheiten und etwa 1.800 neue Produkte in verschiedenen Entwicklungsstadien. In ihrem Bericht hebt die EMA beispielsweise ein Medikament hervor, das zur Therapie der seltenen Stoffwechselerkrankung AADC, die schwere Bewegungsstörungen auslöst, zum Einsatz kommen könnte. Ebenso zur Zulassung empfohlen wurde die erste Behandlung für Kinder mit progeroiden Syndromen, seltenen genetischen Krankheitenwie demHutchinsonGilford-Progerie-Syndrom, die zu vorzeitiger Alterung und Tod führen. Hoffnung geben auch neue Wirkstoffe zur Behandlung der Autoimmunerkrankung Lupus, von IgA-Nephropatie – einer vomDarm verursachten Entzündung in der Niere – und seltener Hauterkrankungen: So wird etwa ein Birkenrindenextrakt-Gel zur Zulassung empfohlen, das zur Behandlung von Schmetterlingskindern zum Einsatz kommen könnte – sie leiden an der angeborenenKrankheit Epidermolysis bullosa (EB),

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