30 diedieHaut soverletzlichwieSchmetterlingsflügel macht. Die erste Gentherapie könnte für die Erbkrankheit Hämophilie B, einer besonders seltenen Form von Blutgerinnungsstörungen, zugelassenwerden. Betroffene sind bisher auf regelmäßige Injektionen oder Infusionen mit dem fehlenden Gerinnungsfaktor angewiesen – die zur Zulassung empfohlene Gentherapie könnte diese weitestgehend oder vollständig ersetzen. WEITREICHENDE AUSWIRKUNGEN Noch für viele andere Patientinnen und Patienten dürften Medikamente für eine Markteinführung in Betracht kommen, etwa für Betroffene von Diabetes-Typ-2, Schuppenflechte, Osteoporose oder Anämie. Der Nutzen, den die zur Zulassung empfohlenen innovativen Arzneimittel stiften, ist vielfältig – und reicht weit über die Behandlung von Patientinnen und Patienten hinaus, wie Linda Krempl betont: „Betroffene haben durch den gezielten Einsatz von innovativen Medikamenten erhöhte Chancen auf verbesserte Lebensqualität und im besten Fall sogar auf Heilung. Durch den Einsatz moderner Therapien werden Krankenstände verringert, Aufenthalte in den Krankenhäusern verkürzt und pflegende Angehörige entlastet. Auch können in einigen Fällen sogar teure Operationen durch Innovationen vermieden werden.“ Diese Aspekte würden dazu beitragen, das Gesundheitssystem zu entlasten sowie die Produktivität des Landes zu erhalten und sollten daher in die Bewertung bei der Erstattung dieser Therapien einfließen, so die Expertin abschließend. CLAUDIA SEBUNK n WANN SIND DIE NEUEN MEDIKAMENTE IN ÖSTERREICH ERHÄLTLICH? „Krebs wird zunehmend eine chronische Erkrankung“ HIV. Dank intensiver Forschung und Entwicklung sind die Überlebenschancen bei diesen Erkrankungen beziehungsweise in ihren Ausprägungen gestiegen. Auch die Lebensqualität hat sich verbessert. Nehmen wir das Beispiel Hepatitis: Eine länger als sechs Monate bestehende Infektion mit demHepatitis-C-Virus bezeichnet man als chronisch. War früher bei fortschreitender Erkrankung oder nicht effizienter Behandlung eine Lebertransplantation die einzige Behandlungsoption, gibt es heute dank innovativer Arzneimittel große Fortschritte in der Therapie. Dazu zählen eine verkürzte Behandlungsdauer, hohe Heilungsraten sowie deutlich geringere Nebenwirkungen. Transplantationen, die früher im fortgeschrittenen Stadium erforderlich waren, sind heutzutage nicht mehr zwingend notwendig. Ein großer Teil neuer Arzneimittel betrifft den Bereich Krebs. Welche Meilensteine sind hier gelungen? Krebs wird zunehmend eine chronische Erkrankung und ist dank neuer diagnostischer sowie therapeutischer Möglichkeiten immer besser behandelbar sowie in manchen Bereichen bereits heilbar. Dazu haben in den letzten zehn Jahren medizinische Meilensteine wie die Immuntherapie, personalisierte Medizin und die CAR-T-ZellTherapie beigetragen. Zuletzt kam es zu Engpässen bei der Ver- sorgung mit diversen Arzneimitteln. Wie wichtig ist es allein aus dieser Perspektive, den Produktionsstandort Österreich weiter auszubauen? Das dynamische Infektionsgeschehen hat im Winter zu einer enormen und nicht vorhersehbaren Nachfrage vor allem bei Antibiotika geführt. An Maßnahmen, um diese Engpässe in Zukunft zu vermeiden, wird zusammen mit allen Partnern im Gesundheitswesen gearbeitet. Kein Patient und keine Patientin bleiben unversorgt. Klar ist aber, dass die Unternehmen oftmals an der Wirtschaft- lichkeitsgrenze arbeiten. Jedes Unternehmen muss kostendeckend produzieren und auch profitabel wirtschaften können, um sein weiteres Bestehen sicherzustellen. Andernfalls wird es gezwungen, sich aus der Versorgung zurückzuziehen. Das führt dazu, dass sich der Arzneimittelschatz stetig ausdünnt. Österreich gilt in der EU als Niedrigpreisland bei Arzneimitteln. Wenn sich daher bei den Medikamentenpreisen nichts ändert, wird das der Medikamentenversorgung nicht gut tun. Dafür ist ein abgestimmtes Planen und Vorgehen in Wirtschaft, Wissenschaft, Arbeitsmarkt und Gesundheit notwendig. Nur so kann die wertvolle Arzneimittel- produktion in Österreich gehalten und die Arzneimittelversorgung auf hohem Niveau gehalten werden. n FOTOS: ISTOCK_RAMBO182, _NICOLASPHARMIG, STEFAN CSAKY Auf Basis der EMA-Begutachtung bzw. -Zulassungsempfehlung evaluiert und erteilt die EU-Kommission eine für alle Mitgliedstaaten gültige EU-Zulassung. Nicht jedes Arzneimittel, das eine Zulassung erhält, ist damit automatisch für alle Patientinnen und Patienten in der Europäischen Union erhältlich, da u. a. Marktbedingungen und Erstattungssysteme von Land zu Land variieren. n INNOVATIONEN Im Gespräch mit GESUND & LEBEN erläutert die Expertin, was in den vergangenen Jahren dank innovativer Arzneimittel erreicht werden konnte. Medizinisch-pharmazeutische Innovationen sorgen für stetigen Fortschritt in der Behandlung von Krankheiten. Welche Meilensteine sind dadurch in jüngerer Vergangenheit gelungen? Fortschritte gab es in den letzten Jahren vor allem in den Bereichen Krebs, Hepatitis und DI Linda Krempl, MSc, Head of Regulatory Affairs, Supply & Innovation der Pharmig, Verband der pharmazeutischen Industrie Österreichs
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