33 www.gesundundleben.at 05 /23 ZECKEN „Auch wenn die Jagdzecke bereits eingewandert ist – der Erreger des KrimKongo-Fiebers wurde hierzulande noch nicht nachgewiesen.“ Dr. Selma Tobudic, Borreliose-Ambulanz der Medizinischen Universität Wien 90 PROZENT GEIMPFT Bei einem Stich lautet Tobudics erster Rat: „Keine Panik! Dann die Zecke so schnell wie möglich mit einer Pinzette herausnehmen und die Einstichstelle desinfizieren.“ Wird der Blutsauger rasch entdeckt und entfernt, sinkt das Risiko einer Infektion mit Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), einer meldepflichtigen, viralen Gehirnhautentzündung. Sie macht sich einige Tage nach dem Stich mit grippeähnlichen Symptomen bemerkbar. Nach rund 14 Tagen können heftige Kopfschmerzen auftreten. Nach jeder Wanderung sollte ein ZeckenCheck am ganzen Körper erfolgen. Aus gutem Grund! Denn laut Tobudic ist Österreich „ZeckenEndemiegebiet“ – rund fünf Prozent aller heimischen Blutsauger sindmit FSME infiziert. Erfreulicherweise sind 90 Prozent aller Österreicherinnen und Österreicher dagegen geimpft. Auffrischungen sind frühestens alle fünf Jahre nötig, ab 65 alle drei Jahre. Eine Impfung nach einem Zeckenstich bringt übrigens nichts, weil sich der Schutz erst nach 14 Tagen aufbaut. 2020 waren 250 Österreicherinnen und Österreicher mit FSME infiziert. Angesichts der hohen Impfrate laut Tobudic „eine hohe Zahl“. IMPFUNG GEGEN FSME, ANTIBIOTIKA GEGEN BORRELIOSE Leider lauert nach Zeckenstichen eine weitere Gefahr, selbst auf Geimpfte: eine Infektion mit Borreliose. Sie macht sich mit einer kreisrunden oder ringförmigen Rötung rund um die Einstichstelle bemerkbar. Auch hier kann es zu Grippesymptomen oder Kopfschmerzen kommen. Ist ein roter Fleck mit einem Mindest-Durchmesser von 3,5 Zentimetern sichtbar, ab zur Hausärztin oder zum Hausarzt! Tobudic warnt: „Das ist ein klarer Hinweis auf eine Borreliose-Infektion – einem Bakterium, das mit dem Syphilis-Erreger verwandt ist. Die FSME-Impfung schützt leider nicht vor einer Infektionmit Borrelien.“ 30 Prozent aller heimischen Blutsauger sind damit infiziert. Auch hier gilt: „Wer die Zecke schnell entfernt, reduziert das Risiko einer Übertragung.“ Borreliose wird jedoch langsamer übertragen als FSME. „Die Behandlung ist eine 10- bis 14-tägige Therapie mit Antibiotika. Die Einnahme sollte rasch starten.“ Das Tückische nach einer Infektionmit Borrelien: Die charakteristische Rötung verschwindet nach einigen Tagen wieder. Wer dieses Zeitfenster für eine medikamentöse Therapie übersieht, könnte viele Jahre später die sogenannte Spätphase- oder Lyme-Borreliose entwickeln. In Österreich erkranken 25.000 bis 70.000 Menschen pro Jahr an dieser Bakterien-Infektion. Als Folge drohen Nervenausfälle und Lähmungen. AUSTRO-IMPFSTOFF GEGEN BORRELIOSE IN SICHT Dennoch ist in puncto Borreliose Impf-Hoffnung in Sicht: Das österreichische Biotech-Unternehmen Valneva entwickelt in Kooperation mit dem Pharmakonzern Pfizer den weltweit ersten Impfstoff gegen diese Bakterien. Er ist in Phase drei (Studie mit Menschen) und verhindert die Übertragung von Borrelien ins Blut. Tobudic erwartet den Totimpfstoff mit einem Wirkstoffverstärker bereits ab 2025 auf demMarkt. GEFAHR DURCH JAGDZECKE Außerdem ist bereits das nächste Problem-Getier in Sicht: Die Jagdzecke Hyalomma stellt Wirten aktiv nach. Sie ist dreimal so groß wie eine normale Zecke, hat gestreifte Beine, nimmt Menschenwie Tiere über ihre Augenwahr und bewegt sich blitzschnell wie eine Spinne. Sie stammt aus Afrika und Asien. Aufgrund des Klimawandels ist sie jedoch auf Wanderschaft – es gibt bereits Nachweise aus der Türkei, dem Kosovo, Spanien, Deutschland und auch Österreich. Tobudic: „Die Hyalomma-Zecke ist Überträgerin des gefährlichen Krim-Kongo-Fiebers. Aufgrund von starken Blutungen endet es oft tödlich.“ Die gute Nachricht: „Auch wenn die Jagdzecke bereits eingewandert ist – der Erreger des Krim-Kongo-Fiebers wurde hierzulande noch nicht nachgewiesen. Dennoch besteht eine gewisse Gefahr.“ Der beste Schutz gegen die Blutsauger? „Lange Hosen bei Wanderungen, ein Zecken-Scan unter der Dusche nach Aufenthalten im Grünen und die FSME-Impfung.“ KARIN LEHNER n Fakt 116 2017 2018 154 2019 108 QUELLE: DE.STATISTA.COM 64 2015 89 2016 219 135 192 Anzahl der diagnostizierten FSME-Fälle in Österreich im Zeitverlauf 2022 2021 2020
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