Hinschauen statt wegschauen

TULLN – Unter dem Motto „Orange the World – Gemeinsam gegen Gewalt“ wird weltweit von 25. November bis 10. Dezember auf das Thema Gewalt an Frauen aufmerksam gemacht. Auch das Universitätsklinikum Tulln setzt erneut sichtbare Zeichen.

Angesichts anhaltender Krisen und Belastungen sind wir alle gefordert, auf uns selbst und unsere Mitmenschen zu schauen. Neben der Pandemie stellen der Krieg in der Ukraine sowie stetige Teuerungen die Bevölkerung seit zweieinhalb Jahren vor unterschiedliche Probleme und tägliche Anforderungen. Das alles führt zu einem höheren Stresspegel einhergehend mit einer niedrigeren Frustrationstoleranz und einer schnelleren Eskalation von Konflikten in den verschiedensten Bereichen. Seit Jahren bestätigt die Statistik, dass eine von fünf Frauen in Österreich zumindest einmal in ihrem Leben von körperlicher und/oder sexualisierter Gewalt betroffen ist. Auch Kinder, ältere Menschen, Männer oder Menschen mit Behinderung trifft Gewalt. Mag. Viktoria Wentseis, Leiterin unserer Opferschutzgruppe, berichtet in diesem Zusammenhang vom erst kürzlich stattgefundenen Gewaltschutzgipfel in der Bezirkshauptmannschaft Tulln: „Aus vielen Bereichen wird berichtet, dass die Aggressionsbereitschaft, sowohl hinsichtlich verbaler aber auch körperlicher Gewalt, gestiegen ist. Viele sind belastet, das Nervenkostüm dünner, die Toleranz niedriger.“ Umso wichtiger ist es daher, dass auch das Universitätsklinikum Tulln im Rahmen der internationalen Kampagne „16 Tage gegen Gewalt“ wieder ein Zeichen setzt und sich für einen sensibleren Umgang miteinander einsetzt.

Um ein sichtbares Zeichen zu setzen, wurden die Helikoptertürme auch heuer wieder bespannt. Diese werden am ersten und letzten Tag der Kampagne zusätzlich orange beleuchtet – gegen eine durchgehende Beleuchtung entschied man sich bewusst, um auch ein Zeichen in Richtung Energiekrise zu setzen. Zusätzlich stehen den MitarbeiterInnen des Klinikums orangefarbene FFP2-Masken zur Verfügung, die sie in diesem Zeitraum tragen können. 

Ein zusätzlicher Dank gilt auch heuer wieder dem Künstler Gottfried Helnwein, der dem Universitätsklinikum Tulln für die Gestaltung der Helikoptertürme sein Bild kostenlos zur Verfügung stellte. Er setzt sich seit vielen Jahren für Frauenrechte ein und ist auch im Opferschutz aktiv tätig. Er möchte nicht nur auf die Situation in Österreich hinweisen, sondern weltweit. „Die Menschenrechtslage der Frauen und Mädchen ist in Teilen der Welt katastrophal, wie beispielsweise die Lage in Afghanistan zeigt. Dort haben Millionen Frauen und Mädchen keine Rechte auf Schule und Ausbildung, und tatsächlich überhaupt keine Rechte mehr“, zeigt Helnwein auf.

 

Fotocredit: Robert Herbst