"1:1 Betreuung“ soll verwirrten Patientinnen und Patienten helfen, Pilotprojekt wird ausgerollt

Bei der Besichtigung des Projekts "1:1-Betreuung" im Klinikum

ST. PÖLTEN - Die akute Verwirrtheit (Delir) ist eine häufige Komplikation bei hospitalisierten Patientinnen und Patienten. Vor allem ältere und kognitiv beeinträchtigte Menschen haben ein hohes Risiko, ein Delir zu entwickeln. Daher sind eine rasche und fachgerechte Diagnostik und entsprechende Maßnahmen erforderlich.

Eine solche Maßnahme stellt die „1:1 Betreuung“ dar  -  ein  erfolgreiches Pilotprojekt, das im letzten Jahr an drei Kliniken gestartet wurde – dieses soll nun auf alle Kliniken in Niederösterreich  ausgerollt  werden.  Das Resultat: weniger Medikamente, Reduktion von Stürzen und  ein  verkürzter stationärer Aufenthalt.

In Österreich sind laut dem Demenzbericht rund 130.000 Menschen von einer Demenzerkrankung betroffen. Bis 2050 wird sich die Anzahl laut diesem Bericht verdoppeln. Die häufigste Form der Demenz ist mit 60 - 80% die Demenz vom Alzheimer Typ gefolgt von der vaskulären Demenz (15 – 20%). Die Zahl der Betroffenen nimm mit dem Alter zu – Frauen häufiger als Männer.

Stationsalltag

Um im Stationsalltag auf verwirrte, desorientierte und dementiell veränderte Menschen individuell eingehen zu können, ihre Bedürfnisse zu erkennen, adäquat darauf zu reagieren und diese bestmöglich zu versorgen, wurde im Vorjahr ein Pilotprojekt „1:1 Betreuung“ in den drei NÖ-Kliniken Neunkirchen, St. Pölten und Klosterneuburg gestartet. Konkret werden bei diesem Projekt qualifizierte Personen, wie Pflegeauszubildende  (Pflegefachassistenz und gehobener Dienst) nach dem 1. Ausbildungsjahr sowie Medizinstudierende der KLPU nach Absolvierung des 4. Semesters und pensionierte Pflegepersonen eingesetzt, die erkrankte Patientinnen und Patienten rund um die Uhr beobachten und im Notfall Unterstützung rufen können. Vor allem im Nachtdienst kann durch eine „1:1 Betreuung“ die Sicherheit erhöht werden, da verwirrte Personen an einem veränderten Tag-Nacht- Rhythmus leiden.

Pilotkliniken

„Nachdem das Projekt in den Pilotkliniken besondere Erfolge zeigte, soll es nun auf alle Landeskliniken ausgerollt werden. Wichtig ist vor allem die Eigenständigkeit und Selbstbestimmung verwirrter Menschen so lange wie möglich zu erhalten und ihnen feste Strukturen zu bieten. Mit der Ausrollung dieses Projekts wollen wir die Patientinnen und Patienten noch mehr als bisher unterstützen und ihnen während eines Aufenthalt in einem Klinikum Hilfestellung bieten“, so Landesrat Ludwig Schleritzko.

1:1 Betreuungspersonen können von Pflegeexpertinnen und Pflegeexperten bei einer entsprechenden Diagnose im Klinikum angefordert werden. Nun können sich qualifizierte Personen, die diese Aufgabe übernehmen möchten, bei den Kliniken melden. „Wir werden das Projekt gerne an unseren Stationen integrieren und erwarten uns sehr gute Erfolge bei den Patientinnen und Patienten. Zusätzlicher Benefit: zum einen kann der Stationsbetrieb ohne häufige zusätzliche Unterbrechungen geführt werden, wovon auch andere Patientinnen und Patienten indirekt profitieren, zum anderen werden Angehörige entlastet“, so Pflegedirektor Andreas Lausch über das neue 1:1 Betreuungsmodell.
 

BILDTEXT
Bild: DGKP Herta Ehrgott, Landesrat DI Ludwig Schleritzko, Mag. (FH) Susanne Gröschel Leitung Abteilung Strategie und Qualität Pflege.
Fotocredit: NÖ LGA / Robert Herbst

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